86 Prozent fordern Wirkungsnachweise von Stiftungen
05. August 2026
Vor 25 Jahren wurde die heutige ChildInvest Foundation gegründet. Seither hat sich nicht nur die Stiftung selbst verändert, sondern auch das Verständnis davon, wie gesellschaftliches Engagement wirken soll. Während früher vor allem die Bereitschaft zu helfen im Mittelpunkt stand, erwarten Menschen heute sehr viel stärker nachvollziehbare Ergebnisse.
- 25 Jahre Stiftungsjubiläum zeigt Philanthropie im Wandel: Vom Helfen zum Investieren
- Forsa-Umfrage: 86 Prozent aller Befragten fordern von Stiftungen Wirkungsnachweise – breiter Konsens über alle Altersgruppen und Geschlechter hinweg.
- ChildInvest Foundation nutzt Social Return on Investment (SROI), er zeigt auf, wie viel sozialer Nutzen – gemessen in Geldwerten – pro eingesetztem Euro entsteht.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2001 hat die Dachstiftung der SOS-Kinderdörfer weltweit Programme an mehr als 100 Standorten unterstützt und rund 14 Millionen Euro für Projekte ausgeschüttet. Allein seit 2020 stiegen die jährlichen Ausschüttungen um rund 50 Prozent auf 1,9 Millionen Euro im Jahr 2025. Heute verwaltet die Stiftung gemeinsam mit den 54 angeschlossenen Treuhandstiftungen ein Vermögen von rund 73 Millionen Euro.
Spenden allein reichen nicht mehr
„Vor 25 Jahren stand vor allem die Förderung konkreter Hilfsprojekte im Mittelpunkt. Heute investieren Stifterinnen und Stifter gezielt in Projekte, die strukturelle Veränderungen unterstützen. Sie wollen zudem wissen, was ihr Engagement tatsächlich bewirkt", sagt Claudia Straßer, Vorstandsmitglied der ChildInvest Foundation. „Dieser Anspruch verändert die Philanthropie. Wirkung wird zunehmend zum Maßstab für verantwortungsvolles und strategisches Stiften."
Fünf Euro gesellschaftlicher Nutzen für jeden investierten Euro
Die Stiftung hat diese Entwicklung früh aufgegriffen und setzt seit gut zehn Jahren auf eine langfristig ausgerichtete Wirkungsmessung bei ausgewählten Projekten. Mithilfe der Social Return on Investment-Methode (SROI) werden nicht nur finanzielle Mittel erfasst, sondern auch die fortdauernden gesellschaftlichen Effekte von Förderprogrammen bewertet. Das von den SOS-Kinderdörfern weltweit gemeinsam mit der Boston Consulting Group entwickelte Verfahren zeigt anhand einer Langzeitstudie mit 3.450 ehemaligen Programmteilnehmenden: Jeder eingesetzte Euro erzeugt durchschnittlich einen sozialen Mehrwert von fünf Euro. In afrikanischen Programmen liegt dieser Wert bei bis zu 14 Euro.
Wie die Ergebnisse in einzelnen Ländern sichtbar werden, zeigen zwei Beispiele: Bei der Evaluation eines Familienstärkungsprogramms in Indonesien gaben 97 Prozent der ehemaligen Teilnehmenden an, heute ihre familiäre Verantwortung eigenständig wahrnehmen zu können. Und die Befragung von ehemaligen Teilnehmenden eines Programms zur beruflichen Integration in Nicaragua ergab, dass 73 Prozent der Befragten zum Zeitpunkt der Befragung erwerbstätig waren und 84 Prozent über ein eigenes stabiles Einkommen verfügten. Der SROI beschreibt Wirkung nicht allein über Fördersummen oder Teilnehmerzahlen, sondern anhand langfristiger sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen.
Wirkung entscheidet über die Zukunft des Stiftens
Nach Einschätzung der ChildInvest Foundation wird dieser Wirkungsnachweis künftig zu einer zentralen Voraussetzung für erfolgreiches Stiften. Besonders jüngere Generationen verbinden gesellschaftliches Engagement zunehmend mit Transparenz, klaren Zielen und überprüfbaren Ergebnissen. Mit Blick nach vorn will die Stiftung den Wandel nutzen, um neue Zielgruppen sowie Unternehmen und internationale Stifter:innen für langfristige Investitionen in die Zukunft von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen.
Claudia Straßer: „Gesellschaftliche Herausforderungen werden komplexer. Gleichzeitig schrumpfen die staatlichen Budgets und NGOs konkurrieren immer stärker um die gleichen Spenden- und Stiftungsgelder. Umso wichtiger ist es, vorhandene Ressourcen dort einzusetzen, wo sie nachweislich eine langfristige Wirkung entfalten. Vertrauen bleibt die Grundlage. Aber messbare Wirkung wird zunehmend zum Differenzierungsmerkmal bei neuen Stiftern und Vermögensverwaltern."
ÜBER DIE BEFRAGUNG
Das Sozialforschungsinstitut forsa führte im April 2026 eine bundesweite Umfrage zu Stiftungen und gesellschaftlichem Engagement durch. Befragt wurden insgesamt 1.524 zufällig ausgewählte deutschsprachige Personen ab 18 Jahren.